Bernhard Fragner, CEO GlobeAir AG:

Was Zeitmaschinen mit Customer Experience zu tun haben

Bernhard Fragner [00:00:05]:
Jetzt geht's gleich los. Also seine Zeitmaschine ist fertig, ist bereit.

Alexandra Nagy [00:00:10]:
Es geht tatsächlich heute Zeitmaschinen bei Sound of Customers. Herzlich willkommen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, weil...

Bernhard Fragner [00:00:20]:
Wie wir alle wissen, Zeit ist unser kostbarstes Gut, Zeit ist unser größter Luxus eigentlich.

Alexandra Nagy [00:00:27]:
Unser Gast heute ist nicht nur der Geschäftsführer des größten Unternehmens seiner Art in Österreich, sondern ist auch sein Gründer. Man sagt ja, großartige Unternehmen werden rund großartige Produktideen aufgebaut, die einen wichtigen Job oder Bedürfnis für ihre Kunden erfüllen. Und genau das ist die Leidenschaft, die unseren Gast antreibt.

Bernhard Fragner [00:00:59]:
Wir bezeichnen uns tatsächlich heute mit 21 Flugzeugen als das größte österreichische Luftfahrtunternehmen. Unser Kunde kauft einen Flug von A nach B. De facto sagen wir, er kauft sich Zeit. Das ist ganz tief in unser Unternehmens DNA drinnen.

Alexandra Nagy [00:01:15]:
Bernhard erzählt uns auch eine wunderbare Service-Geschichte, in der sich ein Popstar Zeit gekauft hat.

Bernhard Fragner [00:01:23]:
Sie hatte einen Auftritt in London und geplant war...

Alexandra Nagy [00:01:27]:
Ja, was war geplant und wie hat das Team das gelöst? Das hört ihr gleich. Viel Freude dabei. Herzlich willkommen bei Sound of Customers. Wie hört sich Customer Experience an? Wie kann dein Unternehmen noch besser gehört werden? Hol dir Inspirationen und Tipps. In jeder Folge bringen unsere Gäste ihren ganz besonderen Sound mit und erzählen uns, wie sie ihr Unternehmen für Kundinnen und Kunden so richtig zum Klingen bringen. Schön, dass du reinhörst bei unserem Podcast von Kunde21. Wir sind Alexandra und Barbara. Willkommen heute bei einer neuen Episode von Sound of Customers.

Alexandra Nagy [00:02:11]:
Schnappt euch euer Kaffeehäferl, vielleicht macht ihr auch gerade eine Laufrunde oder sitzt gerade im Auto, wie auch immer. Ich habe heute einen wunderbaren Gast aus einer wirklich sehr interessanten Branche bei mir im Studio sitzen. Ein paar von euch haben uns ja geschrieben, sie hätten Interesse an ein paar anderen Branchen, die wir bis jetzt noch nicht bedient haben, unter anderem auch die Luxusbranche. Jetzt denkt man da vielleicht bei Luxus sofort an Mode, Handtaschen oder Schmuck, Aber tatsächlich gehen wir heute mit euch in die Luft. Und wir gehen mit unserem Gast gemeinsam in die Luft. Und ich darf heute bei mir begrüßen den CEO und Gründer von GlobeAir, Bernhard Fragner. Hallo Bernhard, schön, dass du da bist.

Bernhard Fragner [00:03:02]:
Danke, dass ich da sein darf. Schönen guten Tag und auch ich habe meinen Tee neben mir stehen und werde den auch genießen.

Alexandra Nagy [00:03:10]:
Genau, genau, so soll es ja sein. Genießen wir das Gespräch. Auch ihr Hörer und Hörerinnen, wir hoffen auch, ihr könnt es gut genießen. Bernhard, wir haben ja zu Beginn schon ein bisschen eingangs geplaudert und mir war zuerst gar nicht bewusst, dass du auch Gründer von GlobeAir bist. Und da poppt natürlich die Frage auf, wie kommt man auf die Idee, eine Luftlinie zu gründen?

Bernhard Fragner [00:03:36]:
Ja, das ist eine gute Frage und ist es nicht ganz so offensichtlich, weil ich tatsächlich nicht aus dieser Branche komme, sondern in diese Branche hineingewachsen bin, weil ich ein eigenes Problem lösen wollte. Und zwar bin ich ausgebildeter Techniker und nach meiner Ausbildung in Wien hat mir mein Beruf gleich zu Beginn quasi nach Osteuropa gebracht. Das heißt, ich war in einem Ingenieurbüro tätig, wo wir in ganz Osteuropa die Dienstleistungen im Engineeringbereich, mein Aufgabenbereich war Maschinenbau, Elektrotechnik erbringen durften. Hatte auch ein Team aufgebaut und war in Osteuropa zu meinen Terminen eigentlich ausnahmslos mit dem Auto unterwegs, weil es sehr schwierig war mit Fluglinie oder mit Zug. Und habe dann sehr viel Zeit im Auto verbracht, trotz steigender Agenda. Das war so ungefähr Mitte der 90er, Ende der 90er Jahre. Und ich habe dann tatsächlich ein Zeitproblem bekommen. Und wie wir alle wissen, Zeit ist unser kostbarstes Gut, Zeit ist unser größter Luxus eigentlich.

Bernhard Fragner [00:04:40]:
Und habe versucht, Lösungen zu finden, wie kann ich meine Zeit optimieren oder wie kann ich meine Zeit besser bei meiner eigentlichen Aufgabe einsetzen, als wie im Auto zu sitzen. Die Zeit im Auto habe ich einfach total unproduktiv empfunden. Es hat damals nicht wirklich ein Handyoptikum gegeben. Und dann ist die Idee entstanden, mit einem eigenen Flugzeug quasi die Termine zu erledigen und hier Zeit zu gewinnen, Zeitmaschine zu haben, eine eigene Zeitmaschine. Und das habe ich dann umgesetzt. Das heißt, ihr habt dann andere überzeugen können, fünf andere Unternehmer, die das gleiche Anforderungsprofil hatten, also in Osteuropa aktiv zu sein, aber eben sehr zeitökonomisch gedacht haben. Und ich habe dann einfach zu sechs, haben wir uns ein Flugzeug gekauft und auch sehr ambitioniert haben wir den Linienpiloten-Schein gemacht, damit wir das Flugzeug selber auch steuern und benutzen können. Und gleichzeitig hatten wir dann einen gemeinsamen Fluglehrer, der uns das ganze Runde herum organisiert hat.

Bernhard Fragner [00:05:37]:
Und ich bin dann jahrelang quasi das eigene Flugzeug oder als Teilhaber geflogen mit teilweise Teammitgliedern. Und Das war ein professionelles Geschäftsreiseflugzeug schon. Das heißt, wir konnten bei jedem Wetter fliegen, bei jeder Bedienung und wir hatten alle eine Linienpilotenausbildung. Das war tatsächlich über viele Jahre dann meine Zeitmaschine Und bin halt immer in das Thema Bedarfs-Luftfahrt, Geschäftsreise-Luftfahrt eingedrungen, auch als Interesse. Und hat dann schlussendlich dazu geführt, ein eigenes Unternehmen in dieser Luxusbranche, in dieser Nische zu gründen.

Alexandra Nagy [00:06:16]:
Perfekt. Klingt nach einer ganz tollen Gründerstory. Es würde mich natürlich interessieren, glaubt er, was verbirgt sich jetzt heute hinter diesen Unternehmen? Wie seid ihr aufgestellt und vor allem natürlich auch, wer sind eure Kunden?

Bernhard Fragner [00:06:33]:
Ja, also wie gesagt, wir haben dann 2007 tatsächlich den Startschuss, also das Startup wurde gegründet, ein Investor wurde gefunden, der auch bis heute noch an Bord ist, der Herr Huemer, selber sehr erfolgreicher Unternehmer in der Automobilbranche, Das war auch zu einem Börsengang geschafft mit seinem Unternehmen. Er hat damals in der Gründungsphase an uns geglaubt, hat mich geglaubt und bis heute unterstützt. Und wir haben 2008, im September, die Lizenz als Luftfahrtunternehmen bekommen, gestellt vom Verkehrsministerium Österreichs. Wir bezeichnen uns tatsächlich heute mit 21 Flugzeugen als das größte österreichische Luftfahrtunternehmen, weil die, die noch größer sind, also die Airlines, wenn wir uns schon an denen messen, also die Auer oder die EasyJet oder wie immer, die größere Flotten in Österreich haben, sind aber nicht im österreichischen Besitz.

Alexandra Nagy [00:07:25]:
Wir

Bernhard Fragner [00:07:25]:
sind zwei Gesellschafter und alle in Österreich ansässig und hier tätig. Und dann 2008 gestartet mit drei Flugzeugen. Wir hatten immer die Idee, tatsächlich in der Fluglinie zu sein. Und die Idee war, mit drei ist man schon in der Fluglinie, weil quasi mit einem, das kann man leicht managen, ein zweites, das ist auch noch. Aber mit drei beginnt man schon zu überlegen oder das Team, welches Flugzeug macht welchen Flug, wie schaut das aus. Und es sind dann über Jahre, also 2008, dann hat es schwierige Jahre gegeben, wir kennen die Lehman-Krise, dann glaube ich, da ist die Rezession zu zwölf nochmal gegeben. Also wir haben ein paar so Krisen übertaucht, wie jeder von uns als Unternehmer, auch die Corona-Krise, die Pandemie, waren alles tolle, spannende Herausforderungen. Aber dennoch sind wir quasi bis heute auf 21 Flugzeuge gewachsen, also gar nicht unser Kunde, quasi kauft einen Flug von A nach B.

Bernhard Fragner [00:08:18]:
De facto sagen wir, er kauft sich Zeit. Das ist ganz tief in unserer Unternehmens-DNA drinnen, weil es war auch immer mein Thema und ich wollte und will auch heute, dass jedes Teammitglied und auch diejenigen, die schon bei unserem Bewerbungsgespräch sind, verstehen, dass wir eigentlich keine Fluglinie sind und Flüge verkaufen, sondern wir geben Menschen Zeit zurück. Qualitativ Zeit, weil eben Zeit unser größter Luxus ist und wir wollen die Zeit zurückgeben. Und deren Zeitmaschine zeigt eben unser kostbarstes Gut, was der Mensch, glaube ich, zur Verfügung hat. Und wir haben unseren Kundenkreis vorwiegend in Westeuropa. Wir pflegen viel aus England raus, aus Frankreich raus oder rein. Schweiz ist ein sehr, sehr starker Markt für uns. Deutschland ist sehr wichtig.

Bernhard Fragner [00:09:04]:
Österreich spielt eine eher kleinere, untergeordnete Rolle, weil auch das Land sehr klein ist, von der Anzahl der möglichen Kunden. Norditalien ist ein wichtiger Markt für uns. Und jetzt mehr und mehr sehen wir auch Osteuropa wirtschaftlich stärker wachsend, insbesondere Polen. Und unser typischer Kunde interessiert sich für einen Flug in den nächsten 48 Stunden. Das ist immer eine Herausforderung, weil eigentlich sagen wir zu unserem Team intern, wir sind eigentlich keine Fluglinie, wir sind einfach ein Logistikoptimierer mit einem angehängten Flugbetrieb. Weil tatsächlich, wir machen wahrscheinlich 90 Prozent unseres Umsatzes immer in den nächsten 48 Stunden. Also die Kunden wollen Flexibilität und wahrscheinlich auch aufgrund ihrer Agenda haben die dahinter Assistenzfunktionen, Assistenzrollen, die eben auch die nächsten Tage organisieren und dann kommen wir ins Spiel. Und mehr oder weniger, du kannst sagen, ich möchte jetzt morgen von Wien nach London, gehe am Abend dann noch zum Abendessen mit dem Kunden, fliege dann eventuell noch zurück, weil man kann von London nach Wien quasi Tag und Nacht fliegen, 24 Stunden, oder bleibe dort über Nacht und fliege am nächsten Tag wieder zurück oder fliege sogar zu einer anderen Destination.

Bernhard Fragner [00:10:15]:
Und das sind so die Anforderungen des Kunden, also kurzfristig buchen und dann quer durch Europa, schon sehr stark orientiert, wo wirtschaftliche Zentren sind. Und der Kunde ist üblicherweise Unternehmensführer, Unternehmensvorstände, Unternehmenslenker, Projektmanager, Consultant. Also sehr stark persönliche Leistungen und Unternehmen, die exportorientiert sind, also die rausgehen in den Markt, teilweise sehr schlank organisiert sind, wo in Zeitungen eine wesentliche Rolle spielt, aber auch große Börsen, gedistante Unternehmen, wo einfach

Alexandra Nagy [00:10:51]:
der

Bernhard Fragner [00:10:51]:
Vorstand flexibel sein muss im Reisen und dann auf sein Zeitkontingent schaut, dass er das optimiert und nicht zu viel am Flugplatz sitzt, zu viel in Ireland sitzt, sondern wir haben auch Sportler, viele Sportler aus verschiedensten Sportdisziplinen als Kunden, weil die auch zwischen Training, Wettkämpfen, Turnieren, Sponsoren-Terminen und Familien quasi ganz, ganz engen Zeitkalenders haben. Und dann gibt es bei uns auch den Entertainment-Bereich. Das heißt, es sind Musiker, DJs, Bauspieler und so, die auch Zeitkontingent sehr begrenzt haben. Und die fliegen sowohl privat als auch beruflich. Also derjenige, der das einmal getan hat, wie man Zeit effizient nutzen kann mit diesem Werkzeug, der nutzt es dann quasi generell und nicht nur beruflich oder nur privat, sondern das ist dann quasi hybrid. Das ist dann die Art und Weise, wie der Kunde reist. Wir machen ungefähr 15.000 Flüge pro Jahr, haben ungefähr 40.000 Passagiere und sehen uns als Marktführer in diesem Segment in Westeuropa.

Alexandra Nagy [00:11:59]:
Also so wie du das schilderst, diese 48 Stunden, da müsst ihr ja wirklich sehr flexibel aufgestellt sein, dass ihr das so kurzfristig dann auch für die Kunden leisten könnt. Und das passt wieder sehr gut zu eurem Leistungskern dazu oder eurer Vision mit dieser Zeitersparnis. Bevor wir uns jetzt den Sound anhören, den du uns mitgebracht hast, es liegt mir jetzt ein bisschen so auf der Zunge. Wie schafft ihr es denn, so flexibel zu sein? Weil dahinter steht ja die Crew, dahinter stehen Piloten. Wie macht ihr das?

Bernhard Fragner [00:12:32]:
Ja, das ist eine gute Frage. Ich frage mich immer wieder, jeden Tag. Grundsätzlich ist es so, dass wir aufgrund dieser erforderlichen Flexibilität des gesamten Teams erforderlich sind. Das heißt, wir haben aber auch ein Team, das in Schichten arbeitet. Wir sind 24-7 verfügbar. Das heißt, wir haben ein Kundenservice-Team, das in drei Schichten arbeitet. Und wir haben auch die Logistikabteilung, die auch in drei Schichten arbeitet. Und dann haben wir eigene Werkzeuge entwickelt, vor allem softwarebasierend, wie wir die Flotte optimieren, welches Flugzeug mit welchem Job, wie geht sich das aus.

Bernhard Fragner [00:13:03]:
Manchmal müssen wir auch einen Kunden bitten, kann er vielleicht eine Stunde später, weil dann macht unser Leben ein bisschen einfacher. Und so wird halt ständig die gesamte Flotte, also wirklich ständig in Echtzeit immer optimiert. Weil Wenn ich jetzt einen Status habe für morgen und übermorgen, kann es ja sein, dass jetzt in einer Minute neue Anfragen reinkommen und plötzlich sich das Ganze wieder ändert. Das wird dann optimiert. Wir haben eigene Software, wir haben eigene Softwareentwicklung im Haus und haben dann so Optimierungsroutinen entwickelt, damit wir eben auf diese Flexibilität, die der Kunde fordert, ständig eingehen können.

Alexandra Nagy [00:13:38]:
Also das ist

Bernhard Fragner [00:13:38]:
unsere größte Herausforderung, tatsächlich die Logistik der Hintermanagement, also welche Crew, wo kommt der Treibstoff her, wo gibt es Genehmigungen und und und. Es kann sein, wenn wir zum Beispiel einen Tag haben, der schon fix steht, dann kommt eine Anfrage, dass sich für jedes Flugzeug der gesamte Plan des Tages wieder völlig ändert. Und es kann sein in zwei Stunden wieder, und dann kann es sein in zwei Stunden wieder. Also unser Team ist gewöhnt, du wachst da rein und diese ständige, wir sagen immer, wir managen Disruptionen und das ständige Disruptionsmanagement, an das gewöhnt man sich und nimmt man dann irgendwann als völlig normal und gegeben hin und entwickelt eben Routinen, Prozesse. Wichtig ist, habe ich gelernt, dass man solide Prozesse hat, dass das definiert ist, was tun wir und dass das nicht im Freestyle quasi läuft, weil dann passieren Fehler und viele schief gehen, was vielleicht böse Auswirkungen hat für den Kunden. Daher ist die Logistik und die ganze Optimierung dahinter für uns eine wesentliche Kernkompetenz im Haus.

Alexandra Nagy [00:14:36]:
Also so wie du es schilderst, total nachvollziehbar und verständlich. Okay, dann schlage ich vor, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen Bernhard. Jetzt hören wir kurz einmal hinein, welchen Sound du uns da heute mitgebracht hast. So klingt Kundenorientierung bei dir, bei euch im Unternehmen, GlobeAir. (Sound wird abgespielt: Turbinenlärm eines Flugzeuges)

Bernhard Fragner [00:15:03]:
Genau, also ich habe mitgenommen den Turbinensound, wenn wir eine Turbine starten, weil dann weiß der Kunde, der dann bereits zum Flugzeug sitzt oder gerade zum Flugzeug hingeht, jetzt geht's gleich los. Also wenn der zehn Minuten vor Abflug, vor seinem geplanten Abflug, also der sucht sich die Abflugszeit selber aus und wenn er zehn Minuten vorher bei uns ist, dann reicht das vollkommen. Und das heißt, wenn wir das wissen, dass der Kunde schon da ist, wir begrüßen ihn persönlich beim Eingang und dann der zweite Pilot startet schon die Turbine. Und in der Startung der Turbine signalisiert er schon bereits dem Kunden, jetzt geht es gleich los. Also seine Zeitmaschine ist fertig, ist bereit und geht für ihn los. Daher ist es so richtig typisch für uns, glaube ich.

Alexandra Nagy [00:15:47]:
Du Bernhard, ich nehme jetzt mal an, die Kundenzufriedenheit und die Begeisterung für eure Services, weil so wie du es jetzt auch schilderst, mit den logistischen Herausforderungen, mit der Flexibilität, ist sicher sehr hoch. Aber gibt es vielleicht irgendeine Geschichte, die du mit uns teilen möchtest, wo du sagst, da habt ihr mal einen Kunden oder Kundin wirklich besonders überrascht oder das war eine nette Begebenheit, wo wirklich ganz was Außergewöhnliches passiert ist. Gibt es da vielleicht irgendetwas?

Bernhard Fragner [00:16:20]:
Ja, ich würde sagen, ich habe sogar einige, aber ich habe vielleicht eines, das mir persönlich noch sehr gut in Erinnerung ist. Viele von den Zuhörern vielleicht kennen die Sängerin Rihanna und die durften wir fliegen und die hatte einen Auftritt in London und geplant war, dass sie am nächsten Tag zurückfliegt nach Paris und das war so gegeben, bestätigt und alles gut. Und Kurz nach dem Konzert, ich glaube das hat 23 Uhr geendet, hat ihre Assistenz uns informiert, dass sie noch tatsächlich in der Nacht, sie hat zwar jetzt noch ein bisschen so Aftershow und Backstage-Termine oder Agenten, aber dass sie dann vielleicht 2 Uhr früh statt nächsten Tag noch zurück nach Paris fliegen kann. Und es war tatsächlich eine sehr späte Anfrage zu uns gekommen, also tatsächlich nach der Show, wo unsere Nachtschicht im Dienst ist. Die Crew war eigentlich schon im Hotel für den nächsten Tag und wir haben gesagt, okay, wir prüfen jetzt, ob das möglich ist, weil wir haben quasi Arbeitszeitgesetze einzuhalten und und und. Und dann hat sich gezeigt, okay, wir könnten das schaffen, wenn der Abflug vor drei Uhr morgens ist. Und das wurde uns quasi zugesagt, dass das so sein soll. Und dann haben wir mitten in der Nacht noch alles umgeplant, weil natürlich der nächste Tag schon geplant war, mit dem Flugzeug und Crew was anderes zu machen.

Bernhard Fragner [00:17:41]:
Und wir haben das dann kurzfristig in der Nacht alles umgeplant und sind dann pünktlich in London los, mitten in der Nacht, und sind dann in Paris gelandet. Und sie hat sich sehr getreut, weil sie auch fast vermutet hat, dass das nicht möglich ist. Und wir haben quasi das fast Unmögliche dann möglich gemacht und ihr am nächsten Tag offensichtlich sehr viel Zeit geschenkt, weil sie da andere Termine hatte. Das hat ihr sehr geholfen.

Alexandra Nagy [00:18:07]:
Wunderbare Geschichte, kann ich verstehen, warum das eine deiner Lieblingsgeschichten ist. Schade, dass wir uns nicht alle anhören können, weil das klingt wirklich entspannt. Was mir da aber gut gefällt, es zahlt wieder sehr in euren Leistungskern ein. Ihr seid flexibel, ihr könnt das logistisch stemmen, die Kunden wünscht, die Zeitersparnis steht da wieder im Mittelpunkt Und alles dreht sich da wirklich euren Leistungskern. Und sehr schön, wenn ihr dann auch international so tolle Kunden und Kundinnen habt. Noch dazu als österreichisches Unternehmen. Also ich sage jetzt einmal, da gibt es ja nicht so viele. Hut ab! Finde ich Echt eine ganz tolle Geschichte.

Alexandra Nagy [00:18:46]:
Du Bernhard, das führt mich ein bisschen zur nächsten Frage, weil du sagst immer Zeitmaschine und ich weiß nicht warum. Bei mir poppt dann immer auf, zurück in die Zukunft. Da stellt sich bei mir auch die Frage, was glaubst du, Wie wird sich denn das in Zukunft entwickeln, das Segment der Luxusreisen? Weil wir haben natürlich auf der anderen Seite auch das Thema klimafreundliches Reisen. Wir hatten letztens die Geschäftsführerin von ÖBB Railtours bei uns im Podcast. Wir haben auch schon die AUA, die Gaby Rosenmeier war bei uns, die für die HON Circle-Member und für das Vielfliegerprogramm zuständig ist.

Bernhard Fragner [00:19:25]:
Das ist eine sehr gute Frage, mit der wir uns natürlich auch auseinandersetzen. Und danke, Alexandra, für die wirklich interessante Frage. Also ich sehe zwei, also nicht nur ich, sondern ein ganzes Team gereisen und wir haben tatsächlich dieses Gespräch oder dieses Thema so laufend bei uns auf der Agenda hinsichtlich Strategie und wie geht es weiter. Und wir sehen zwei große Trends. Ich würde sagen, der eine ist Individualisierung. Also es gibt, wir sehen schon einen Trend der letzten, würde ich sagen, meine Wahrnehmung ist die letzten 20 Jahre, immer mehr Individualisierung, Individualisierung. Das ganze Leben, also jede Person möchte sich selbst ausdrücken, möchte selbst wählen, wie schaut deine Kleidung aus, wie schaut dein Lifestyle aus, wie konfigurierst du dein Fahrrad, dein Auto, also den gesamtes Umfeld, den Auftritten in meinem persönlichen Tag zu geben, also dieser Drang, ist glaube ich sehr groß. Ich bin auch überzeugt davon, dass die sozialen Medien das sehr stark fördern, weil ja quasi jeder will sich anders präsentieren.

Bernhard Fragner [00:20:22]:
Andererseits konsumiert man diese Individualisierung, schaut sich das an und versucht dann selbst irgendwo auch seinen Stil zu finden in all diesen Belangen. Das heißt, ich glaube gerade auch die jüngere Generation, vor allem durch soziale Medien inspiriert, hat das Thema Individualisierung ein ganz, ganz großes Stellenwert. Und das wird sich auch bei Reisen fortsetzen. Also wir sehen das auch. Die Menschen beschäftigen sich immer mehr, wie kann ich meine eigene Reise gestalten, wo möchte ich meine eigenen Erinnerungen mir aufspeichern und abholen. Und man sieht das auch, wir arbeiten auch mit so Boutique-Agenturen zusammen, die quasi ganze Reisepakete zusammenstellen und wir dann ein Teil davon sehen. Also wir bringen zum Beispiel die Flugleistungen dazu. Und diese Anzahl von diesen Boutique-Agenturen und diese Anfragen werden stetig mehr.

Bernhard Fragner [00:21:12]:
Das zeigt, dass diese Nachfrage nach Individualisierung einfach deutlich steigt. Zum Thema Nachhaltigkeit sehen wir in unserem Kundensegment, das Abwägen nachhaltig zu Zeitgewinn gewinnt immer Zeitgewinn. Also unser Kunde würde, also wir haben keinen Kunden verloren aufgrund der Nachhaltigkeitsdiskussion, sondern wir haben Offset-Programme und so weiter und so fort. Wir versuchen alles dazu zu tun. Wir haben jetzt einen neuen Hangar gebaut, der völlig autark ist mit Solaranlage, mit Wärmepumpen, mit Batteriespeicher. Also wir versuchen halt andere Elemente zu nehmen, auch hier unseren Beitrag im Allgemeinen zur Gesellschaft beizutragen. Aber unsere Kunden sehen eben, dass für die ist Zeit mehr Luxus als Nachhaltigkeit. Daher, was wir bei uns in unserer Kundentel wieder erwarten, eigentlich das Thema gar nicht gestellt bisher.

Bernhard Fragner [00:22:03]:
Das sei einfach viel kostbarer. Und die Individualisierung und die Anforderungen an Flexibilität und den eigenen Stil zum Ausdruck bringen, das wächst immer mehr. Und daher denke ich, die Luxusreisebranche nennt man es so, ihren Stellen Platz hat. Und wenn man jetzt den Ökonomen zuhört, dann sagt man, die Schere geht immer weiter auf, die gesellschaftliche Schere. Dann denke ich, dass diese Klientel, diese Zielgruppe, diese individualisierten Reisen, investiert in sich selber, durch die entsprechenden Erinnerungen fürs Leben zu sammeln, tatsächlich mehr wird und stärker wird. Und wir sehen es auch, das ist ein gesellschaftlicher Wandel. Wir sprechen ja von Gen Z, Gen Alpha, Gen X. Gen Z, Gen X sind diejenigen, die auch ins Entscheiden kommen, wie sie ihr Geld ausgeben und auch erfolgreich sind.

Bernhard Fragner [00:22:55]:
Und da hat das Thema Zeit noch viel mehr Stellenwert. Der Babyboomer ist gewohnt, ich arbeite, arbeite, arbeite, schaffe, schaffe. Während Gen Y, Gen Z schon eher sagen, nein, nein, mir ist meine eigene Zeit wichtiger. Das berühmte Work-Life-Balance-Wort. Und daher hat Zeit einen höheren Stellenwert, als ich noch aufgewachsen bin und erzogen wurde. Und das sind natürlich Themen, die in unserem Segment Bedarfsreise, Luftfahrt, Privatschätz, Businesschätz ganz große Themen sind. Weil wir die Leute dann dort abholen.

Alexandra Nagy [00:23:31]:
Ganz spannend. Also sehr viele Trends, die auch für euer Geschäftsmodell sprechen, so wie du jetzt gesagt hast. Individualisierung, Globalisierung sicher auch, dann das Thema mit den Generationen Und im Kern aber noch immer euer Thema mit Zeit und Flexibilität. Das passt alles wirklich sehr gut zusammen. Bernhard, vielen, vielen Dank für das Gespräch. Wir sind jetzt wirklich zusammen mit dir abgehoben in ganz andere Sphären. Viel Erfolg weiterhin für dein Unternehmen und viele tolle weitere Geschichten mit euren Kunden und Kundinnen. Vielleicht schaffen wir es ja, dich noch einmal einzuladen und dann kannst du uns noch weitere Geschichten erzählen, weil ich bin sicher, das würde viele von uns sehr interessieren.

Alexandra Nagy [00:24:18]:
Danke, dass du heute unser Gast warst und mit uns im wahrsten Sinne des Wortes abgehoben bist.

Bernhard Fragner [00:24:25]:
Danke, freut mich auch, dass ich hier sein durfte und hat Spaß gemacht. Danke Alexandra Und jederzeit sehr gerne wieder. Wir haben sicher noch eine andere spannende Episode, die wir sehr gerne mit unseren Zuhörern teilen würden.

Alexandra Nagy [00:24:43]:
Wenn du weiter abheben möchtest mit uns zu Kundenthemen und Customer Experience, dann hör gerne wieder rein bei Sound of Customers. Interessieren dich vielleicht spezielle Branchen oder spezifische Themen rund Kundenorientierung, dann schreib uns gerne unter office at kunde21.com. Und wenn du dich lieber persönlich mit vielen unserer Podcast-Gäste austauschen möchtest, dann merke dir bitte schon mal den 5. Juni vor. Bei unserer Stage for Customer-Centric Leaders gibt es viel zu besprechen und viele neue Ideen. Wir halten dich auf dem Laufenden dazu oder du schaust einfach auf unserer Webseite kunde21.com vorbei und reservierst dir schon mal deinen Platz. Danke fürs Dabeisein.